Wilhelm Piel

Stellungnahme aus jagdlicher Sicht für den Konzentrationszone Suchraum III -Bereich Babbelage von Wilhelm Piel

Sehr geehrte Herren, sehr verehrte Damen!

Aus folgenden Gründen ist der Änderungsbereich B (Babbelage) aus der Planung heraus zu nehmen:

Durch diese Fläche verläuft ein Gewässer (Diekfluß). Dieser Diekfluß hat ausgewiesene Überschwemmungsflächen die im Rahmen zukünftiger Renaturierungsmaßnahmen der Flüsse, laut EU-Vorgaben teilweise wieder zurück zu führen sind.

Im Stemweder Berg ist ein Brutvorkommen des Uhus, dessen Streifrevier mit 6 km Radius in den Änderungsbereich B weit hinein greift. Am Stemweder Berg läuft dazu ein großflächig angelegtes Projekt „Eulen AG", welches schon seit Jahren versucht, die Nachtgreifvögel rund um den Stemweder Berg zu fördern.

Durch die Flurbereinigung in Twiehausen ist die dortige Natur bereits sehr stark in Mitleidenschaft gezogen. Durch den Bau von Windkraftanlagen würde die dortige Kulturlandschaft nun völlig und endgültig der Energiepolitik „geopfert" werden.
Wir haben durch die Biogasanlagen bereits eine Landschaft, die geprägt ist von Monokulturen mit kontinuierlich zunehmender Tendenz. Des Weiteren ist die herkömmliche Landwirtschaft auf Kleinflächen ausgestorben und die Parzellen der Monokultur werden immer größer. Der „Zerstörung" unserer Natur muss endlich ein Ende gesetzt werden!
Neben Monokulturen von Raps- und Maisfeldern am Boden, soll nun auch noch der Luftraum der Natur weiter beeinträchtigt werden. Für die Fledermäuse, die ihre Beute an Gewässern mittels Schall fangen, ist der Beutefang in der Umgebung von Windkraftanlagen nicht mehr möglich, da diese durch den Infraschall der WKA gestört werden. Der Bestand an Fledermäusen ist bei uns und in der Babbelage an den Gräben sehr hoch!
Nur die Wildschweinpopulation dürfte durch einen Anlagenbau nicht beeinträchtigt werden. Diese ist durch die oben beschriebenen Maßnahmen der Energiepolitik bereits auf dem Wege, unkontrollierbar zu werden.

Die Konzentration von Windkraftanlagen sollte auf Flächen der Gemeinde stattfinden, wo bereits auf angrenzenden Flächen Windkraftanlagen entstanden sind. Der massive Zubau an Windkraftanlagen in Pr. Oldendorf, Levern/Heithöfen, und Sundern/Bohmte sind nur ein Beispiel für einen Ausbau der Windkraft in einem extrem kurzen Zeitraum. Wer sich von dem zukünftigen Aussehen und den Belastungen dieser Anlagen für die Anwohner ein Bild machen möchte, der braucht nicht zu weit fahren, um vom Sockel bereits bestehender Anlagen 450 m oder 600 m zurück zu schreiten und dann diesen erdrückenden Eindruck auf sich wirken zu lassen.

Die Gemeinde Stemwede steht schon mit der Konzentration der Schweine-Mastställe und der Biogasanlagen an den vordersten Stellen in NRW. Soll jetzt noch ein weiterer äußerst fragwürdiger vorderer Platz in Bezug auf Windkraftanlagen belegt werden?

Sollte der aufgrund unseres Energiehungers leider notwendige Raubbau an der Natur nicht besser ganz aus der ländlichen Landschaft herausgehalten werden und stattdessen besser in den Bereichen stattfinden, in denen die Natur bereits zerstört ist, wie z. B. Autobahnkreuze und Industriegebiete. An den Autobahnen würde auch das Verlegen von Stromleitungen keine gesundheitliche Beeinträchtigung hervorrufen. Denn damit belasten wir ja bereits alle unsere Natur.

Geht es bei der Errichtung von Windkraftanlagen nicht vielmehr um den zu erwartenden Profit der Grundstückseigentümer und Anlagenbetreiber?

Hier noch ein paar Beispiele:
Wir haben bereits keinen Humusanteil mehr in unseren Böden. Die Erosion schreitet weiter fort. Die Insekten und Bienen sterben durch den Raubbau an unserer Natur. Wenn es erst kein Obst mehr gibt, da es keine Bienen mehr gibt, ist es zu spät. Dann können wir nur noch ins europäische Ausland auswandern, da dort hoffentlich dieser Raubbau nicht so stattfinden wird.

Die Rebhühner sind bereits seit Jahrzehnten nur noch Einzelvorkommen weniger Vögel.
Sie sind der Indikator für den Rückgang der Insekten, denn sie brauchen diese in der ersten Zeit der Aufzucht.

Der Hase braucht 54 verschiedene Grassorten zum gesunden Überleben. Der Hase wird in unsern heimischen Revieren fast gar nicht mehr bejagt. Der Bestand ist weiter rückläufig, da sowohl durch die Monokulturen, als auch durch das jährlich 4 – 5 malige Mähen von Grasflächen die Junghasen regelrecht hingerichtet werden.

Der Fasan ist in den letzten Jahren ebenso stark rückläufig und wird fast nicht mehr bejagt, da der stark dezimierte Bestand keine nachhaltige Jagd mehr zulässt.
Erste Untersuchungen haben einen hohen Anteil an Bronchitis festgestellt. Diese Krankheit hat es so sonst noch nicht in den Beständen gegeben.

Die vorgenannten Arten sind von den Windkraftanlagen wahrscheinlich nicht stark beeinträchtigt. Sicherlich aber von der durch die Gemeinden, Kommunen und Verwaltungen, die in den letzten Jahren stark forcierten Raps- und Biogasanlagenpolitik. Schlämme aus Biogasanlagen werden derzeit übrigens bereits als mögliche Bronchitis-Überträger diskutiert.
Nachdem die Böden einseitig ausgebeutet, und nur noch geringste Humusanteile durch fehlende wechselnde Fruchtfolgen vorhanden sind (mikrobiologisch tot sind), kommt nun noch alles Leben in der Luft dran. Das dürfte dann so enden wie das Jagdverbot auf die Krähen nach der Vogelschutzrichtlinie. Sie wurden nach ihrem lateinischen Namen als Singvögel eingestuft und mit einer Schonzeit belegt. Bis heute gibt es keinen Rückschritt der Politik, diese völlig abstruse Schonzeit wieder aufzuheben. Und das, obwohl bereits durch viele Studien belegt wurde, dass der gesamte Singvogelbestand, Rebhuhn- sowie Fasanenküken- und Junghasenbestand nachhaltig durch den hohen Krähen- und Elsternbestand in unserer bereits ausgeräumten Kulturlandschaft dezimiert wird.

Die Jägerschaft versucht durch biotopsverbessernde Maßnahmen, wie der Anlage von Teichen und dem Anpflanzen von Hecken und Büschen, ein paar Rückzugsgebiete für Wildtiere zu schaffen.

Ich hoffe, dass die Babbelage als Renaturierungsfläche des Diekflusses erhalten bleibt und somit die Gemeinde zeigt, dass sie dazu beiträgt, für die zukünftigen Bürger der Gemeinde Stemwede wieder ein Biotop zu schaffen, in dem auch der große Brachvogel wieder heimisch werden kann, den ich in meiner Kindheit noch in der Babbelage gesehen habe.

Ich fordere auch und gerade deshalb die Gemeinde Stemwede auf, im Sinne und im Interesse von ihren Bürgern zu handeln, die seit Jahrzehnten in diesem Bereich ansässig sind und die Landschaft und die Menschen vor einer Verschandlung des Landschaftsbildes mit Windkraftanlagen zu bewahren.

Es sollten bitte keine weiteren Fehler gemacht werden, die unsere Nachfahren wieder versuchen müssen auszugleichen, wie z.B. die Kanalisierung der Bäche und Flüsse, die Intensivierung der Landwirtschaft und Massentierzucht für preiswertes Fleisch, die Schonzeit für Krähen, fraglicher Rapsanbau in großen Monokulturen, unkontrollierte Ausbringung von Bakterien aus Biogasanlagen, zukünftiger Vogelschlag unter den Windkraftanlagen. mit der Folge, dass auch der Rotmilan und der große Brachvogel keine Zukunft haben werden.

Mein Appell an die Gemeinde: „Für die Bürger da zu sein, denn irgendwann sind sonst vielleicht keine Bürger mehr da, womit dann auch die Gemeindeverwaltung nicht mehr notwendig wäre."

Irgendwann wird auch der letzte Mensch erkannt haben, dass man Geld nicht essen kann.
Es müssen andere innovative Energieerzeugungskonzepte entwickelt werden. So etwas kann aber nicht übers Knie gebrochen werden, sondern muss wachsen. Die Politik muss dies mit besonnenen Umgang mit den Subventionen steuern.
Ich erwarte, dass diese Stellungnahme dem Rat der Gemeinde Stemwede vorgelegt und zur Kenntnis gebracht wird sowie in die weiteren Beratungen zu diesem Thema einfließt.

Mit freundlichen Grüßen
Wilhelm Piel