Gegenwind in und aus Stemwede

Keine neuen Riesen-Windräder!

Aktuell: 9.09.2021 - JHV am Dienstag, 21. September

Die diesjährige Hauptversammlung findet am 21.09. in der alten Scheune bei Wehdebrocks statt. Beginn ist um 19:30 Uhr.

4.03.2021 - Endlich Ruhe in der Sattlage

Trügerisch oder nicht - Nach 20 Jahren Wummern und Rattern atmen viele Anwohner im Gebiet Bockhornshorst zwischen Hollwede und Oppenwehe erstmal auf.

Bis auf zwei Anlagen ruhen die Rotoren des Mühlheider-Energie-Windparks friedlich im winterlichen Sonnenschein, vom den gewohnten Schallemissionen ist im Moment nichts zu spüren bzw. zu hören - wie lange noch, das steht in den Sternen bzw. eventuell im der Neufassung des EEG. 291 Seiten soll sie stark sein, die Novellierung, die am 1. 1. 2021 in Kraft trat - ganz schön umfangreich! Ausbauhürden sollen dadurch genommen werden, die Rechtssicherheit soll wiederhergestellt werden, die Akzeptanz in der Bevölkerung soll steigen, umfassende Bürgerbeteiligung ist vorgesehen...  - wenn das mal gutgeht.

Na ja, an den Kosten sind die Bürger zumindest wieder umfassend beteiligt!

Nach 20 Jahren Wummern und Rattern atmen viele Anwohner im Gebiet Bockhornshorst zwischen Hollwede und Oppenwehe erstmal auf

 

Wieso glaubt man eigentlich, dass es zu mehr Rechtssicherheit beim Aufstellen von Flächennutzungsplänen kommt?

Bei 1000 Metern Mindest-Abstand zu Wohnhäusern könnte im Gebiet der Babbelage dann kein Windrad stehen und die Mitglieder Bürgerinitiative VETO könnten sich beruhigt wichteren Dingen zuwenden. Doch das fühlt sich irgendwie nicht ganz realistisch an. Wir erinnern uns noch gut an den Windkraft-Projektierer Enertrag, der den Stemweder FLNP durch das OVG Münster wegen eines schnöden Formfehlers für ungültig erklären ließ und offiziell, laut Artikel in der „Neuen Westfälischen Zeitung“, die zwei Stemweder Bürgerwindgesellschaften (Babbelage-West und Babbelage-Ost) „begleitet“, dem solch eine Regelung ganz und gar nicht schmecken wird. Da wird wahrscheinlich noch viel juristisches Tauziehen vonnöten sein – soviel zur Planungs – und Rechtssicherheit.

Anmerkung:

Begleitet“, liebe NW, ist übrigens ein recht blumiger Begriff, der Eurem Redakteur damals, am 14. März 2019 aus der Feder floss, angesichts der Tatsache, dass beide Bürgerwindgesellschaften inzwischen von einunddemselben Herrn als Geschäftsführer der entsprechenden Verwaltungs-Ugs faktisch übernommen wurden. Dass dieser Herr gleichzeitig auch die Geschäfte der Bürgerwind Eichwiese Verwaltungs UG, der Bürgerwind Rehberge A Verwaltungs UG, der Bürgerwind Rehberge B Verwaltungs UG, der Bürgerwind Schönfeld Verwaltungs UG, der Bürgerwind Schenkenberg Verwaltungs UG, der Enertrag Bürgerwind Verwaltungsgesellschaft mbH, der Windfeld Bütow/Zepkow Verwaltungs-GmbH und der Windkraft Gut Blankenburg Verwaltungs UG führt, ist in diesem Zusammenhang eigentlich dann auch nicht mehr verwunderlich, zumal ebendieser Herr als Manager der ENERTRAG Agrar GmbH geführt wird. Das ist, mit Verlaub, schon ganz schön großbürgerlich – und wird im Zweifelsfall wahrscheinlich auch zum Gegenstand gerichtlicher Auseinandersetzungen avancieren. (vgl. § 36g Besondere Ausschreibungsbestimmungen für Bürgerenergiegesellschaften).

Video: Abstände in der Babbelage
 

Soviel zu der 1000 Meter Abstandsregelung!

Doch weiter zum EEG 2021

Ein wirkliches BonBon ist der § 36k - Finanzielle Beteiligung von Kommunen

(1) Betreiber von Windenergieanlagen an Land, die einen Zuschlag für ihre Anlage erhalten, dürfen den Gemeinden, die von der Errichtung der Windenergieanlage betroffen sind, Beträge durch einseitige Zuwendung ohne Gegenleistung von insgesamt 0,2 Cent pro Kilowattstunde für die tatsächlich eingespeiste Strommenge und für die fiktive Strommenge nach Anlage 2 Nummer 7.2 anbieten….

(2) Vereinbarungen über Zuwendungen nach Absatz 1 bedürfen der Schriftform und dürfen bereits vor der Genehmigung der Windenergieanlage nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz geschlossen werden. Sie gelten nicht als Vorteil im Sinn der §§ 331 bis 334 des Strafgesetzbuchs. Satz 2 ist auch für Angebote zum Abschluss einer solchen Vereinbarung und für die darauf beruhenden Zuwendungen anzuwenden.

(3) Sofern Betreiber Zahlungen nach Absatz 1 leisten, können sie die Erstattung des im Vorjahr geleisteten Betrages im Rahmen der Endabrechnung vom Netzbetreiber verlangen.

Unsere Anmerkungen dazu:

In der Anlage 2 Nummer 7.2 steht dann:

Für die Ermittlung des Standortertrags der ersten fünf, zehn und 15 auf die Inbetriebnahme der Anlage folgenden Jahre ist die eingespeiste Strommenge im Betrachtungszeitraum die Grundlage, zu der die fiktive Strommenge zu addieren ist, die der Anlagenbetreiber in dem Betrachtungszeitraum hätte einspeisen können. Die fiktive Strommenge ist die Summe der folgenden Strommengen:

a) Strommengen, die auf eine technische Nichtverfügbarkeit von mehr als 2 Prozent des Bruttostromertrags zurückgehen,

b) Strommengen, die wegen Abregelungen durch den Netzbetreiber nach § 14 nicht erzeugt wurden, und

c) Strommengen, die wegen sonstigen Abschaltungen oder Drosselungen, zum Beispiel der optimierten Vermarktung des Stroms, der Eigenversorgung oder der Stromlieferungen unmittelbar an Dritte, nicht eingespeist wurden.

Inwiefern sich solche Regelungen als sinnvoll erweisen, bleibt abzuwarten. Wovon man allerdings ausgehen kann, ist der zumindest der Effekt, dass diese 0,2 Cent letzten Endes auf der Stromrechnung der Verbraucher landen, da die Anlagenbetreiber für die geleisteten Zahlungen eine Erstattung vom Netzbetreiber verlangen können, der diese Beträge seinerseits sicher gerne auf die Netzbetriebskosten draufschlägt.

Zubau in Zahlen (geschätzt):

Davon ausgehend, dass eine moderne handelsübliche Onshore-Anlage wie die Nordex N149 mit einer Leistung von 4 - 4,5 MW laut Hersteller einen jährlichen Ertrag von 15,4 GWh leistet, können wir bei den im Jahr 2021 vorgesehenen Ausschreibungen für Windenergie an Land mit einem Volumen von 4,5 GW, einen jährlichen Ertrag von 15400 GWh annehmen, also 15400000000 KWh, sprich ca. 31 Mio €, die offiziell als Öl ins kommunale Entscheider-Getriebe gekippt werden dürften. Schön, dass die das dürfen!

Das wären geschätzt rund 1000 neue Anlagen, bei maximal 6 Anlagen pro Bürger-Windpark also 166 Windparks - ergibt ca. 187000 € pro Jahr und Genehmigung. Wenn das mal ausreicht - das klingt eher nach kommunalen Peanuts, die gerade Mal sehr arme Gemeinden zur richtigen Entscheidung verlocken könnten. Trotzdem gut, dass diese Zuwendungen nicht als Vorteil im Sinn der §§ 331 bis 334 des Strafgesetzbuchs gelten. Wären wir denn noch glaubwürdig, wenn unsere demokratisch gewählten Volksvertreter auf Grund gekaufter Entscheidungen klammheimlich, ähnlich geschäftiger Eichhörnchen, ihre Nüsslein ins Trockene bringen würden?

Strom verschenken - aber richtig!

Der Geisterstrom:
Laut DPA-Meldung vom 21. Januar diesen Jahres hat Deutschland im Jahr 2020 17400 GWh mehr Strom exportiert als importiert. Das ist zwar wesentlich weniger als 2017 (55000 GWh) bzw. 2019 (35100 GWh) aber offensichtlich mehr als der gesamte Ertrag des bei den drei Gebotsterminen im Jahr 2021 zu bezuschlagenden Zubaus der WKA an Land.

Es stellt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit der weiteren Errichtung umstrittener Anlagen zur Steigerung sich häufender Überproduktionskapazitäten, anstatt die Ressourcen in ein bezahlbares Speicherkonzept, eine dezentrale Erzeugung im häuslichen Kleinkraftwerk oder den umweltverträglichen und effzienten Transfer der elektrischen Energie von Nord nach Süd zu investieren. (Mehr Innovationsausschreibungen und Forschung...!?!)

Die Stromimporte
Hauptlieferant für Strom war 2020 Frankreich mit 14070 GWh, welche überwiegend aus konventioneller AKW-Produktion stammen. Die Niederlande, als zweitgrößter Lieferant mit 8720 GWh, produzieren Strom überwiegend in Gaskraftwerken. Es stellt sich die Frage, warum moderne Gaskraftwerke in Deutschland stillstehen, während wir bei negativen Day-Ahead-Börsenpreisen immer noch Überproduktionen „entsorgen“ müssen, die trotz 4- bzw. 6-Stunden Regelungen mit Marktprämien gestützt werden und somit die Verbraucher letztlich teuer zu stehen kommen.

Was ist mit den deutschen Gaskraftwerken, die ihrerseits in der Lage wären, viel flexibler auf Schwankungen zu reagieren? Bekanntlich sind die Peaks nicht nur ein Problem natürlicher Phänomene durch zu viel Sonne oder Wind, sondern der Unflexibilität der konventionellen Stromerzeugung bzw. deren Erzeuger geschuldet.

Also nochmal:
Das Dumme an der ganzen Sache ist, dass wir das gute Zeug tatsächlich loswerden müssen, weil sonst unser Strom-Netz kollabiert, soll heißen, wir verkaufen oder verschenken unseren vom Verbraucher teilweise teuer bezahlten Strom nicht nur, wir zahlen sogar für die Entsorgung. „Teilweise“ deshalb, da nach der „Sechs-Stunden-Regel“ die Förderung größerer EEG-geförderter Neuanlagen in der Direktvermarktung ausgesetzt wird, wenn der Day-Ahead-Börsenstrompreis im Verlauf von sechs oder mehr Stunden durchgehend negativ ist. Tritt dieser Fall ein, erhalten die Anlagenbetreiber rückwirkend, ab der ersten Stunde mit negativen Strompreisen, keine Marktprämie mehr.


Frage: Wer hat das EEG 2021 eigentlich geschrieben?

Immerhin ein kleiner Schritt in Richtung Vernunft, soll aber nicht heißen, dass bei der Lektüre des EEG in der 154 PFD-seitigen Fassung vom 21. Dezember 2020, im Lichte der jüngst kontrovers kommunizierten Debatte über die schleppende Einführung des „Lobby-Registers“, sich manchmal die Frage stellt, welche Verbände denn nun an welcher Stelle die Gesetzgebung beeinflusst haben.

Es wäre schön wenn sich Lobbyisten finden würden, die sich für die Schaffung von Speichermöglichkeiten und dezentraler Erzeugerstrategien engagieren würden, anstatt für monströse Windparks, oder im Fall der EEG-Novelle, für die neu eingeführte Vermarktung der Produktion ausgeförderter Anlagen durch die Netzbetreiber. Netzbetreiber im klassischen Sinne sind keine Stromerzeuger, sondern sie stellen die Leitungen zur Verfügung, auf welchen sie sprichwörtlich schon seit Jahrzenten stehen, was den Stromtransport von Nord nach Süd betrifft, welcher wirklich ein entscheidender Beitrag zum Gelingen der Energiewende wäre. Dafür sollte die Politik sie nicht auch noch belohnen.

Als Normalbürger und Steuerzahler kann ich mir zwar vorstellen, wie sich das anfühlt, wenn Branchenvertreter mit durchaus konträren Vorstellungen und Heilsversprechen um meine Gunst werben und Lösungsansätze im Gepäck haben, allein wüsste ich nicht, was mich im Zweifelsfall zu einer Entscheidung brächte!

Da wäre ein „legislative Fußabdruck“, also eine Auflistung wer an den Gesetzten mitgewirkt hat sogar noch aussagekräftiger als ein reines Lobby-Register.

Tierschutz vs. Menschenschutz

Warum ist die Gesundheit von Störchen, Milanen oder Fledermäusen höher gewichtet als die Gesundheit menschlicher Anwohner? Warum gibt es keine gründlichen Forschungen zu den gesundheitlichen Auswirkungen der Emissionen auf die menschliche Physis und Psyche? Es sieht beinahe so aus, als überließe die Politik diese Fragen lieber großzügig den Meinungsmachern und Influenzern, als sich ernsthaft um eine fundierte Analyse zu kümmern und sich ggf. einer Erweiterung z. B. der TA-Lärm zu widmen.

Sicherheit

Wie steht es mit der Sicherheit der WK-Anlagen, wer ist dafür verantwortlich? Wird es einen „TÜV“ mit regelmäßigen Kontrollen der Funktionen und Emissionen geben? Wird die Windbranche diesbezüglich genauso verhätschelt wie die AKW-Betreiber, die mit ihren Anlagen ohne Haftpflichtversicherung und geregelte Entsorgungsmodalitäten sowohl des Mülls als auch der ausgedienten Anlagen billig davon kommen, nachdem der „Rahm“ abgeschöpft ist?

Marktwirtschaft

Wie könnte man die Energie-Branche marktwirtschaftsfähig machen? So lange die einzelnen Sparten am Förderungs- bzw. Umlagen-Tropf hängen und gleichzeitig hohe Renditen ausgeschüttet werden, haben ernsthafte Ambitionen auf die vielbeschworene Wende einschließlich der Klimarettung kaum eine Chance.

Wettbewerbsverzerrung durch die Netzbetreiber-Lösung für Kleinanlagenbetreiber

Das EEG 2021 sieht für Kleinanlagenbetreiber mit Volleinspeisung vor, den produzierten Strom an den jeweiligen Netzbetreiber zu verkaufen und dafür den Marktwert, abzüglich der Vermarktungskosten, vergütet zu bekommen. Damit werden den Netzbetreibern die Aufgaben eines Direktvermarkters übertragen, insbesondere der Verkauf von Strom an der Börse.

Sie sind somit neue Mitbewerber am Strom-Markt, die so nicht vorgesehen waren. Die Netzbetreiber (die gefühlt schon lange Zeit eine wirkliche Energiewende durch den Unwillen zur Schaffung eines e. E.-stabilen Übertragernetzes aussitzen) sollten nicht zusätzlich als Energiehändler fungieren dürfen.
Sie stehen nicht im direkten Wettbewerb, da sie neben der Vermarktungsgebühr von 0,4 ct/kWh auch über die Netzentgelte sowie den EEG-Umlagetopf finanziert werden. Das bedeutet, dass die Netzbetreiber die durch die Vermarktung entstehenden Mehrkosten nicht selbst tragen müssen, sondern sie entsprechend umlegen können.
Dies stellt nicht nur eine enorme Verzerrung des Wettbewerbs dar, sondern bezuschusst auch die unwirtschaftlicheren Anlagen, wie gewohnt auf Kosten der Allgemeinheit. Solche Maßnahmen wirken dem „marktgetriebenen Ausbau der erneuerbaren Energien “, der erklärtermaßen Anspruch der EEG-Novelle ist, ganz offensichtlich entgegen. (Es stellt sich wiederum Frage: wer stand bei solchen Regelungen Pate?)

Klarstellung: über uns

Bei unserer Initiative geht es nicht um die Verhinderung der Energiewende oder gar um eine „Leugnung“ des Klimawandels, der gerade im ländlichen Raum stetige und deutliche Spuren hinterlässt. Im Gegenteil, gerade die heimischen Landwirtinnen und Landwirte bekommen die Klimaänderung sehr deutlich zu spüren.

Wir legen besonderen Wert darauf, dass ein Zubau monströser WKA in der Babbelage erst dann und als letztes Mittel sinnvoll wäre, wenn die entsprechenden Grundlagen wie z. B. die o. g. Speichermöglichkeiten, Transportnetze, dezentrale Konzepte und soziale Gerechtigkeit geschaffen bzw. ausgeschöpft wären.

Bis dahin, mit Verlaub, verstehen wir die Windkraft-Ambitionen des Gesetzgebers bestenfalls als blinden Aktionismus bzw. im Worst-Case-Szenario als eine reine Schaffung neuer Finanzprodukte, ganz nach dem Gusto der „Heuschrecken“, die sich schon jetzt eifrig auf dem Energiemarkt tummeln - damit tun wir dem Klima bekanntermaßen wirklich keinen Gefallen und es wird sich dadurch kaum etwas hin zum Besseren ändern.


31.07.2020 - An Der Windkraftfront ist es immernoch erstaunlich ruhig, kein Grund die Hände in den Schoß zu legen!

Auch Rentabilität und Nachhaltigkeit gehören zur Energiewende

Rentabel

Die Energiewirtschaft hat den größten Anteil am CO2-Ausstoß

Rentabel ist sie schon, die Energiewende, besonders für die Windstrom-Produzenten - seien es nun die Konzerne, die ganz öffentlich oder unter dem Deckmäntelchen windiger Bürgerparks saftige Renditen absahnen oder tatsächlich genossenschaftlich strukturierte Bürger-Projekte. Da wird immer noch ordentlich abgeschöpft, sozusagen zwangsweise und kollektiv aus den Geldbörsen kleiner Leute in die Depots gieriger Platzhirsche umverteilt.

Nachhaltig

Nachhaltig ist sie nicht, die Energiewende, sonst hätte sich nach 20 Jahren EEG schon mehr getan, vor allem In den Köpfen der Bürger, wo sie nämlich nicht wirklich angekommen ist. Eigentlich ist Dies nicht so schwer zu verstehen, denn die simplen Gründe dafür liegen auf der Hand: für die Allgemeinheit wird’s eben immer teurer, die Politik wankt und drischt Phrasen, drumherum passiert aber nix! Soll heißen, Gewinne werden eingesteckt nicht investiert z.B. in den Ausbau der Leitungsnetze, oder gar in Speichertechnologien und schon garnicht in Konzepte für weitestgehend autarke, dezentrale Bürgerkraftwerke zum Wohle der Umwelt.

Kohle

Hinsichtlich der Schaffung von Stromspeichern hat Deutschland trotz der fürstlichen Vergütungen enormen Nachholbedarf

Offensichtlich hat die Kohle-Energiewirtschaft, als größte CO2-Schleuder in Deutschland, ihren Ausstoß seit 1990 deutlich, um 33% Prozent verringert. Auch die Emissionen von Abfallwirtschaft, Gebäude und Industrie sind ordentlich zurückgegangen, wohingegen der Verkehrssektor diesbezüglich keinerlei Ehrgeiz zu besitzen scheint. Immerhin betrug der Anteil des Brennstoffs Kohle an der deutschen Stromproduktion im Jahr 2018 noch 36%, was uns nach Polen, Tschechien und Bulgarien im europäischen Vergleich, immer noch zum viertgrößten Verbraucher macht.

Netz und Speicher

Gerade hier wird wieder einmal deutlich, dass die größten Herausforderungen für die deutsche Klimapolitik noch vor uns liegen und wir selbstredend im Alleingang das Klima nicht retten können, schon gar nicht dadurch, immer neue und größere Windkraftwerke in die Landschaft zu stellen, bevor die Infrastruktur zur Verteilung der dort produzierten Energie sowie die Kapazitäten zur Energiespeicherung geschaffen wurden. Dies gilt für Deutschland, Europa und im Grunde weltweit.

Verschenkter Strom

Die Klimapolitik hat nur eine Chance, wenn sie global betrieben wird

Gegenwärtig müssen wir unseren „sauberen“ Strom an der Strombörse zeitweise, z. B. an sonnigen und windigen Tagen, verschenken (oder sogar die Abnehmer für die „Entsorgung“ bezahlen) und dann im Bedarfsfall teuer einkaufen – das klingt nicht wirklich nach einem gut gemachten Energie-Management. Das klingt nach klassischer Misswirtschaft zu Lasten der Verbraucher, besonders wenn man an die jährlichen Zusatzkosten Kosten von ca. 25 Milliarden Euro aus der EEG-Umlage im Hinterkopf hat, für die hautsächlich private Endverbraucher und kleinere Wirtschaftsbetriebe aufkommen.

Imageschaden?

Letzten Endes muss die Energiewende, wie schon erwähnt, generell im Kopf der Allgemeinheit ankommen und nicht nur im Portemonnaie, so oder so. Nicht nur kurzeitig bewusst werden, wenn der Klimawandel wieder durch anhaltende Dürren oder schwere Stürme hierzulande konkret spürbar ist, sondern Prinzip unseres politischen und sozialen Handelns werden. Solange Umweltskandale von den Beteiligten als Kavaliersdelikt behandelt werden und es danach primär um die Behebung der Imageschäden geht nicht um wirkliche Aufarbeitung, ist ein nachhaltiges Umdenken blockiert, schafft das Klima sozusagen nicht den Sprung über die Hürde der Profitmaximierung, sprich Gier.

Pollution Drop – Covid-19-Gewinner Luftqualität

Im europäischen Vergleich ist Deutschland immernoch ein Kohleland

Dass ausgerechnet Pandemie-Maßnahmen zu besserer Atemluft führen ist grundsätzlich ein positiver Aspekt, und zeigt auch, wie gemeinschaftlich empfundene Angst vor Gesundheitsschäden, den Konsum dämpft und dabei seine Konsumenten zur Disziplin anhält. Angesichts der Prognose, dass ein Klimawandel mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Vielfaches an Todesopfern im Vergleich zum Corona-Virus fordern wird, ein unverhältnismäßig drastischer Verzicht auf liebe Konsumgewohnheiten.

Wasser statt Klopapier

Wenn nicht jeder bereit ist, seinen persönlichen Beitrag zu leisten, wenn die Energieproduzenten, egal ob konventionell oder erneuerbar, sich nicht ihrer sozialen Verantwortung bewusst werden, wird sich hinsichtlich der Erderwärmung nichts zum Guten wenden. Gerade die Windenergieanlagen werden von Betreibern offenbar mehr als Finanzprodukt denn als Klimaschutz-Maßnahme betrieben, sonst wäre den Betreffenden in den vergangenen 20 Jahren vielleicht schon mal aufgefallen, dass sich nicht nur der Strom ständig verteuert, sondern der CO2- Ausstoß auch nicht wirklich zurückgeht.

Spätestens wenn in nicht allzu ferner Zukunft sowohl sauberes Trinkwasser als auch natürlich erzeugte Lebensmittel zu raren Luxusartikeln werden, haben die leergehamsterten Klopapierregale im Supermarkt endgültig ihren Schrecken verloren.

 



7.01.2020 - Beitrag von Rainer Wehdebrock

Anstand, Abstand, Arbeitsplätze – Gedanken zur Energiewende zum Jahresanfang

Windkraft lässt wieder die Strompreise steigenWInd und Solarstrom sind unstete Energien. Ein gewisser Grundversorgungsanteil muss immer bereitstehen

Um die Windkraft in Stemwede ist es seit Mitte des Jahres erstaunlich ruhig. Einzige windige Medienpräsenz erzielt kürzlich das örtliche  „Deutsche-Windkraft- Museum", was sowohl den (Ex-) Profiteuren, als auch den, von der Windkraft bedrängten Anwohnern, zu denken geben sollte!

Gehört die denn jetzt also schon ins Museum, die Windkraft?

Na klar, denn ausgerechnet dort stehen jetzt die hübschen kleinen Anlagen, durch deren konsequente Weiterentwicklung hin zur eigenverantwortlichen Selbstversorgung, die Strom-Erzeugung wirklich in Bürgerhänden hätte landen können.
Oder rechnen die Windbürger etwa schon mit dem Schlimmsten - ist es ein Mahnmal des Scheiterns der Energiewende, wegen genau des Größenwahns und der maßlosen menschlichen Profit-Gier, die uns so lange die Anzeichen der sich abzeichnenden Erderwärmung und einer damit einhergehenden möglichen Klimakatastrophe ignorieren ließen?

Auf einmal haben wir nun einen gefühlten Moment des Stillstands - Pfarrer und Pastoren beispielsweise nutzen solche Augenblicke immer gerne für Sätze wie: „Denken wir doch einmal nach" oder "Lasst uns die Stille nutzen, um Einkehr zu halten"! -
Also, fragen wir uns doch mal selbst, was wir wollen. Wollen wir Diskussionen über 1000 Meter Abstandsregelungen oder Artenschutz, bei denen das Wohl von Tieren mehr zählt als das der menschlichen Anwohner, oder wollen wir, kurz gesagt, wirklich eine zukunftsfähige Energie-Wirtschaft, im Einklang mit Mensch und Klima.

Die Energiewende muss zuerst im Kopf stattfinden,Eine wirtschaftliche Auslastung der erneuerbaren Energien ist ohne Speicherung nicht möglich

Solange das nicht passiert, wird sich nicht wirklich was bewegen, angesichts der Investoren, die trotz der trügerischen Ruhe an der Windkraftfront, wie die Geier in ihren banknotengepolsterten Nestern lauern, um die üppige Zwangs-Umlage abzusahnen.

Da werden bei Bedarf auch mal gewählte, ehrenamtlich tätige Gemeinderäte mit juristischen Einschüchterungen zu begünstigenden Entscheidungen „bewegt", wie jüngst  im Falle Oppendorf. Immerhin winken noch immer 4,9% Rendite im Windgeschäft, zwar bekanntlich ziemlich risikobehaftet, doch garantiert verlockend, angesichts der Altersvorsorge- fressenden Nullzinspolitik der EZB.
Klären wir doch zuerst die Frage der umweltgerechten Entsorgung von 44 000 Tonnen Windkraft-Sondermüll, der Schrott kann ja nicht komplett ins Windkraft-Museum in die Mühlenheide nach Oppenwehe wandern. Klären wir doch vorher, was passiert, wenn deutsche Unternehmen ihre Produktion ins Ausland verlagern, weil da die benötigte Energie erheblich günstiger zu haben ist.
Die CO2 Emissionen und Arbeitsplätze entstehen dann eben im Ausland, genauso wie die Gewinne die auch noch dort, zu niedrigeren Sätzen versteuert werden.

Das Geschrei um die Windkraft-Arbeitsplätze

Auch der Export von Strom kommt die deutschen Verbraucher teuer zu stehen

Klären wir doch bitteschön auch mal vorab, ob ein Bürgerwindpark, sprich ein Öko-Wertpapierdepot, tatsächlich ein guter Beitrag zur wirtschaftlichen Klima- „Rettung" ist, oder vielmehr in letzter Konsequenz durch die Verteuerung der Energie der Wirtschaft nachhaltig schadet, auch wenn in der Windbau-Branche der ein oder andere Arbeitsplatz erhalten werden würde, wenn wir weitermachten wie bisher.

Wind und Sonne schreiben keine Rechnung!?

Dann steigt eben der Strompreis, trotz aller Mühen und  Versprechen der Politik, für die kleinen Leute und Betriebe weiter, bei gleichzeitiger Häufung plakativer Heilsversprechungen durch utopische Klimaziele. Also, liebe Mächtige in den Parlamenten, genaugenommen sinkt der Treibhausgas-Ausstoß nicht wirklich nachhaltig, die Tendenz  zeigt zunehmend, nicht nur global betrachtet, eher nach oben.

Sogar in Deutschland mit dem verhältnismäßig lächerlichen 0,24 kg CO2-Aufkommen pro einem US Dollar Wirtschaftsleistung, geht der leichte Rückgang zum großen Teil auf witterungsbedingte Ursachen zurück. Trotz „Klima"-Kanzlerin und Konsorten lagen die Emissionswerte 2018 im Bereich Industrie und Verkehr gut 3% ÜBER dem Wert von 2005!
Spitzenreiter beim Ausstoß sind China (2,14), Russland ((1,9) und Indien mit 1,54 kg, also muss baldigst bitteschön auch weltweit etwas passieren.

Wenn der Wind weht wird bezahlt, so steht es im EEG.Die Kosten für Speichtechnik btrugen 2017 nur noch ein Fünftel des Betrags von 2010

200 000 000 000 € haben wir bisher, absolut nebenwirkungsfrei, über die EEG-Umlage, aus den Taschen der Verbraucher in die Taschen von Banken und Investoren gespült, also 200 Milliarden Euro, die zwar kassiert, aber offensichtlich weder in das marode Leitungsnetz zur Strom-Verteilung, noch in effiziente Speicherung elektrischer Energie reinvestiert wurden, noch sonstwie spürbar die (lokale) Konjunktur beleben.

Im Gegenteil, die angekündigte Erhöhung des Strompreises um 5,5% ist zu einem guten Teil den Übertragungsnetzbetreibern geschuldet, die sich mit den 2,2 Milliarden Euro Guthaben auf dem sogenannten EEG Konto nicht zufrieden geben wollen. Dabei sind wir noch gezwungen, überschüssig produzierten Strom weit unter Preis ins Ausland zu verscherbeln, im ersten Halbjahr 2019 genau 21 100 Millionen Kilowattstunden, damit unser Netz nicht kollabiert.

Von den Bürgern teuer bezahlter Strom aus Deutschland wird ins Ausland verramscht!

Allein im Januar 2019 exportierte Deutschland 7,2 Twh, das sind mehr als Russland, Tschechien, Frankreich und Schweden zusammen, die es gerademal auf die Summe von 4,8 Twh brachten. Wie kommts? - Ganz einfach, im Ausland ist der in Deutschland produzierte Strom gnadenlos billig, für durchschnittlich ca. 4,9 Cent/KWh zu haben! Der Deutsche Stromabnehmer bezahlt für die Erzeugung 7,61 Cent/Kwh, 7,22 Cent Netzentgelte, 9,61 Cent Steuern und 6,41 Cent EEG – Umlage.
Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass der durch das zeitweilige Überangebot an Windstrom gedrückte Börsenstrompreis paradoxer Weise ein Faktor für die stetige Verteuerung der EEG – Umlage ist, denn der Gewinn für die Betreiber ist ja garantiert und gerade aus dem Umlagen-Topf wird dann zugebuttert.

Auch die mehr als 2000 von der Umlage befreiten Unternehmen drücken den Kleinverbrauchern und Betrieben jährlich 4,5 Milliarden Euro Mehrkosten auf. Diese könnten die Kosten durch einen Mehrverbrauch selbst dann noch in die Höhe treiben, wenn durch den fälligen Rückbau, beginnend mit 5000 Anlagen im übernächsten Jahr, die Umlage eigentlich, wie prognostiziert wird, sinken würden.

Die EEG-Umlage ist tatsächlich keine Subvention, denn Subventionen müssen nachhaltig sein!

Dieses umfassend marktwirtschaftlich-wettbewerbliche Idiotenstück darf natürlich nicht (und offiziell und vom EuGH bestätigt) „Subvention“ genannt werden, weil diese Milliarden einerseits nicht über die öffentlichen Haushalte laufen, und andererseits Subventionen seit 2015 in Deutschland einer Nachhaltigkeitsprüfung unterliegen.

Zitat vom Presse- und Informationsamt der Bundesregierung:
„Im Zentrum der jetzt erfolgten Nachhaltigkeitsprüfung standen die langfristigen ökonomischen, ökologischen und sozialen Wirkungen der Subventionen, insbesondere in Bezug auf wirtschaftlichen Wohlstand und Zukunftsvorsorge, Klimaschutz und Ressourcenschonung sowie Beschäftigungssicherung.“
- So gesehen, wirklich keine Subvention, weil die Nachhaltigkkeits-Kriterien nicht erfüllt werden. 

Fazit – zurück zum Museum

Schon seit über 32 Jahren, seit einige der letzten Überreste der legendär gescheiterten GroWiAn-Versuchsanlage damals ins Auto-und Technikmuseum nach Sinsheim wanderten, muss allen Beteiligten klar gewesen sein, dass zur wirtschaftlichen Windenergie-Nutzung im großen Stil, ein entsprechendes Netz verfügbar sein muss, und dass zugleich Lösungen für die Speicherbarkeit des elektrischen Stroms gefunden werden müssen, oder aber die Energiewende im Kleinen, sozusagen in jedem Haushalt passieren muss, wo es für die Konzerne weitaus schwieriger ist, abzukassieren.

Damals jammerten die Versorger, in ihrer Eigenschaft als ambitionierte AKW-Betreiber lauthals darüber, dass die Politik ihnen mit den Windkraftplänen in den Rücken gefallen sei, in Wirklichkeit wurde das Ding einfach nur kaltlächelnd ausgesessen, in der Gewissheit, das untaugliche Netz würde sowieso jegliche großangelegte Bemühungen um eine Veränderung der Energieerzeugung und Verteilung im Keim ersticken.

Genau diese Arroganz rächt sich jetzt für die Verbraucher, ob heute mit ökologisch nachhaltigen Energieprodukten geworben wird oder nicht. Die einzige Nachhaltigkeit besteht darin, dass alles so bleibt wie es ist - mehr bezahlen für weniger Klimaschutz, in Zahlen, mindestens 20 Milliarden Euro pro Jahr für leere Versprechen jenseits der Legislaturperiode, und die Aussicht auf Riesenwindanlagen vor der Tür.

Anständig und erfolgsorientiert geht Anders!